Donnerstag, 14 Dezember 2017
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Die Stadt Salzburg,

die Eisenbahner und ihr Musikverein.Bahnhof 1860

"...Nachdem wir den anderen Morgen den Mönchsberg bestiegen, von welchem man einen großen Teil der Stadt übersieht, mußte ich erstaunen über die Menge herrlicher Gebäude, Paläste und Kirchen. Doch gibt es wenig Einwohner hier, viele Gebäude stehen leer, manche sind nur noch von einer, höchstens zwei bis drei Familien  bewohnt. Auf den Plätzen, deren es viele und schöne gibt, wächst zwischen den Pflastersteinen Gras, so wenig werden sie betreten..."

Aus einem Brief Franz Schuberts vom 12. September 1825 an seinen Bruder Ferdinand.


"...Bei der Betrachtung des ersten Dampfers auf Salzburger Boden, werden es die einen begreifen, die anderen instinktmäßig ahnen, daß eine neue Aera herangebrochen sei! Unaufhaltsam knüpft sich an das Eine das Andere, ob wir wollen, ob nicht, es reißt uns mit aus unserer bisherigen idyllischen entlegenen isolierten Stellung, mitten in das Verkehrsleben einer germanischen und romanischen Weltstadt hinein!..."

Aus der "Salzburger Zeitung" 1860, anlässlich der Ankunft der mit österreichischen und
bayrischen Fahnen geschmückten Westbahnlokomotive Krems am Salzburger Hauptbahnhof


Die Stadt Salzburg, die Eisenbahner und deren Musikverein


Man kann sich heute kaum noch vorstellen, wie sehr sich mit dem Einsetzen des Eisenbahn-Zeitalters das wirtschaftliche, soziologische und kulturelle Erscheinungsbild der Stadt Salzburg veränderte.

Vor der Zeit des Bahnbaues war Itzling eine unbedeutende Ortschaft mit 25 Bauernhöfen und dementsprechend wenigen Einwohnern. Diese kleine Ortschaft, ohne Schule und ohne Kirche, gehörte damals zur Gemeinde Gnigl. Der heutige Stadtteil "Elisabeth-Vorstadt" hieß bis zum Jahre 1901 "Froschheim". Noch um 1830 gab es im Gebiet des damaligen "Froschheim", das im Süden immerhin bis zum "St. Virgils-Tor" reichte, nur 17 Höfe.

Als fast reines Agrarland bekam das damalige Kronland Salzburg als eines der letzten der damaligen österreichisch-ungarischen Monarchie seine Eisenbahnlinie. Durch den Bau der Westbahn wurde es ab 1860 an das österreichische Bahnnetz angeschlossen.

Wie recht sollte doch der Redakteur der "Salzburger Zeitung" aus 1860 behalten - dass eine neue Ära angebrochen sei. Aus der bisherigen idyllischen, bild02_bahnhofsumgebung bild03_bahnhofumgebung2

entlegenen, isolierten Stellung unserer Stadt, wo das Gras zwischen den Pflastersteinen wuchs, wurde eine Kulturmetropole von Weltrang.

Besonders eindrucksvoll lässt sich der tiefgreifende Wandel, den der Bahnbau bewirkte, an der Entwicklung der Stadtteile Itzling, "Elisabeth-Vorstadt" und Gnigl ablesen.

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Der Bau der Westbahn und später auch der Giselabahn, der Oberndorferbahn und der Ischlerbahn zog zahlreiche Arbeitskräfte an. Für viele ehemalige landwirtschaftliche Dienstboten, Landarbeiter, Häusler und Kleinbauernsöhne, die ihren Lebensunterhalt auf dem Lande nicht mehr sichern konnten, wurden die Bahnbauten und die Bahn selbst mit ihren Anlagen und Werkstätten zur neuen Erwerbsquelle. Als Lohnarbeiter bei der Bahn machten sie, vorwiegend aus dem Innviertler Raum kommend, erste Erfahrungen mit einer neuen Arbeitsweise und einem neuen Arbeitsrhythmus, die ganz anders waren als ihre bisherigen Erfahrungen mit ländlicher Arbeit. Aber die alltäglichen Lebensbedingungen der Arbeiter und Eisenbahner waren in den Jahren der Monarchie äußerst bedrückend, denn die gesellschaftlichen Veränderungen hatten sich nämlich ohne jedes soziale Verständnis vollzogen. Arbeiter zu sein bedeutete damals vor allem: das tägliche Leben organisieren und Zwang zur Arbeit. 11-12 Stunden täglich, 6 mal die Woche, ohne Urlaub und kaum Schutzmaßnahmen im Falle von Alter, Invalidität oder Arbeitslosigkeit; nur minimaler Krankenschutz, keine gesetzlich geregelte Arbeitszeit; Löhne, die zum Überleben kaum reichten; menschenunwürdige, feuchte, zugige, viel zu kleine Wohnungen, für deren hohe Mieten aber trotzdem ein großer Teil des Einkommens ausgegeben werden musste. Oft war es nicht mehr als ein Wohnraum, der einer mehrköpfigen Arbeiterfamilie zur Verfügung stand. In diesem Raum wurde gewohnt, geschlafen, gearbeitet, gekocht, genäht, gewaschen, gefeiert, geliebt.

Die Eisenbahner der Frühzeit mussten unter schwierigsten Bedingungen und unter ständigem Druck der Bahneigentümer ihren Dienst ausüben. Sie waren rechtlos, unterbezahlt und ohne sozialen Schutz. Wenn ein Eisenbahner heiraten wollte, benötigte er die Bewilligung der "Hohen Obrigkeit". Wie kein anderer öffentlicher Dienstzweig der österreichisch-ungarischen Monarchie wurden die Eisenbahner zur Erfüllung ihrer Berufspflichten und Erhaltung der Disziplin erzogen.

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"...Der 2 April 1892 ist ein geschichtlicher Tag für die Eisenbahner, denn er ist ihr Auferstehungstag. Es ist der Tag, an dem die Eisenbahner zum ersten Mal den Versuch unternahmen, sich aus eigener Kraft aus der geistigen Enge ihres Denkens zur Erkenntnis ihrer Menschenwürde und ihrer Staatsbürgerschaftsrechte herauszuarbeiten. An diesem Tage wurde die Geistesknechtschaft gebrochen..."

Dies schrieb 40 Jahre später Magazineur Rudolf Müller, dessen persönlicher Einsatz
die Gründung des Fach- u. Unterstützungsvereines der Verkehrsbediensteten Österreichs zur Folge hatte.


Um die Jahrhundertwende schlossen sich dann die Eisenbahner zu einem "Allgemeinen Rechtsschutz und Gewerkschaftsverein" zusammen.

Die Sicherung der Existenz, ein humanes Dienstrecht, soziale Sicherheit und ein gerechter Anteil am wirtschaftlichen Fortschritt waren die großen Ziele. Ein Lebensmittelmagazin als Vorläufer des späteren Konsum und eine Milchgenossenschaft zur Versorgung der Eisenbahnerfamilien resultierte aus diesem Verein. Diese Einkaufsgenossenschaften waren als Schutz gegen die fortwährende Lebensmittelteuerung gedacht. Aufgrund der großen Wohnungsnot bemühte sich die Eisenbahnergewerkschaft bereits 1911 um die Errichtung erster Personalbauten.

Gleichzeitig wurden auch in kultureller Hinsicht erste und für die weitere Entwicklung sehr entscheidende Schritte gesetzt.

Salzburger Eisenbahner gründeten 1900 den Gesangsverein "Flugrad", eine Kultureinrichtung, die es heute leider nicht mehr gibt.

Als nach dem Ende des 1. Weltkrieges die Heimkehrerwelle abklang und sich die allgemeine Lage nach anfänglich großen Schwierigkeiten besserte, erwachte im ganzen Land und so auch unter den Eisenbahnern wieder ein gewisses kulturelles Interesse. bild07_bahnhofsalzburg bild08_gleisseite

Die Stadt Salzburg, die heute an die 150.000 Einwohner zählt, hatte 1920 etwa 37.000. Auf dem Domplatz wurde erstmals der "Jedermann" aufgeführt und die Salzburger Festspiele ins Leben gerufen. Der Bahnhof der Staatsbahn, einst im Dorfe Froschheim außerhalb der Stadtgrenzen gelegen, war durch die ständige Ausbreitung der Stadt längst zum wichtigsten Verkehrsknoten geworden, von dem aus auf verschiedenen Linien die Straßenbahnzüge der Lokalbahn, der Salzburger Eisenbahn- und Tramway Gesellschaft und der Salzkammergut Lokalbahn - Ischlerbahn verkehrten.

Weiters sei in der Stadt Salzburg an Schienen gebundenen Verkehrsmitteln noch die auf den 1286 m hohen Gaisberg, den "Salzburg Rigi", erbaute Zahnradbahn, welche am 25. Mai 1887 eröffnet wurde, angeführt und die 1892 errichtete Standseilbahn auf die Festung Hohensalzburg. bild09_bahnhofsgebaeude bild10_zahnradbahn bild11_standseilbahn

 

In den Dienststellen der angeführten Bahnen war auch eine Reihe von Musikanten beschäftigt, die bislang bei verschiedenen Musikkapellen, vorwiegend bei der Gnigler-Musik, spielten. Als nun im Jahre 1920, dem allgemeinen Wunsch der Eisenbahnerschaft entsprechend, eine Gruppe von Funktionären um Gründungsobmann Oberschaffner Schmid daran ging, den Eisenbahner Musikverein ins Leben zu rufen, konnte Gründungskapellmeister Franz Hulan auf diese Musiker zurückgreifen und sie zu einer eigenen Blasmusikkapelle der Eisenbahner zusammenführen. Darüber hinaus wurde versucht, heimkehrende Musiker aus den Militär- und Volkswehrmusiken für den neuen Klangkörper zu gewinnen und nach Möglichkeit auch in den Bahndienst einzugliedern, sodass in kürzester Zeit eine leistungsfähige Musikkapelle mit etwa 25 Mann zur Verfügung stand.
Dank einer erfolgreichen Vereinspolitik gelang es, einen Großteil der Eisenbahnerschaft als unterstützendes Mitglied zu werben und durch deren Beiträge den neuen Verein auch finanziell auf solide Beine zu stellen. Der Mitgliederstand betrug im Gründungsjahr bereits 2151 Personen.

Die "Eisenbahnermusik" entwickelte sich sehr erfolgreich und erfreute sich bald großer Beliebtheit in Stadt und Land Salzburg und weit darüber hinaus.

In den Wirren des 2. Weltkrieges kam es zwar zu einer kurzfristigen Auflösung des Vereines, jedoch konnten rührige Funktionäre wenige Monate nach Kriegsende die verbliebenen Musiker zu einer leistungsfähigen Kapelle zusammenführen und auch die Eisenbahnerschaft wieder für die Idee der eigenen Musikkapelle begeistern. Stellvertretend für viele andere sehr verdiente Funktionäre seien hier nur Kapellmeister Leopold Huemer und Obmann Bieder genannt. Unter ihrer Führung begann nach dem Krieg eine neue Erfolgsgeschichte. Eine umfangreiche Reisetätigkeit brachte den EMV Salzburg oft als kulturellen Botschafter Österreichs und als Werbeträger für den Österreichischen Fremdenverkehr in die verschiedensten Länder Europas.

Natürlich war die Entwicklung unseres Klangkörpers immer auch eng mit der Entwicklung der ÖBB und auch der Gewerkschaftsbewegung verbunden. Empfänge, Betriebsfeiern, Jubiläen, Gewerkschaftstage, es gab fast keinen Anlass, zu dem der EMV Salzburg nicht das musikalische Rahmenprogramm beistellte.

Vieles hat sich geändert seit der Gründung des Vereines, Funktionäre und Musiker sind abgetreten, andere sind dazugekommen, nur die Aufgaben und Ziele sind die gleichen geblieben. Auch heute ist der EMV Salzburg nach seinen Möglichkeiten bemüht, weiterhin gute Kulturarbeit zu leisten und damit Werbeträger des Unternehmens ÖBB zu sein.

Aber den damals (1920) gesteckten Aufgaben und Zielen nachzukommen, wird durch die heutige Rationalisierung des Eisenbahnbetriebes und des damit verbundenen Personalabbaus (Eisenbahner sind unterstützende Mitglieder) immer schwieriger. Dazu kommt, dass die Entwicklung der Blasmusik gerade in letzter Zeit enorme Fortschritte bei der Instrumentierung (Oboe, Bassklarinette, Fagott u. Rhythmusinstrumente) gemacht hat und die Ansprüche nach Qualität der gespielten Literatur, Jugendausbildung etc. immer größer werden. Auch gut ausgebildete Kapellmeister gibt es nicht mehr zum Nulltarif.
Rationalisierungen bei den ÖBB und steigende Aufwendungen: Gründe, an die Verantwortlichen bei der ÖBB und die Politiker der Stadt zu appellieren, die Kulturarbeit des Eisenbahner-Musikvereines Salzburg zu unterstützen.
Eine Herausforderung an die Vereinsleitung.

Zielsetzung unseres Vereines war und ist es, mit unserem Klangkörper in aller Öffentlichkeit Zeugnis abzulegen über den hohen Grad an Kultur und Kunstverständnis unter den Eisenbahnern. Eine große Aufgabe, die wir jedoch gerne wahrnehmen und für die es sich lohnt, sich zu engagieren.



Textauszüge aus der Festschrift "75 Jahre Eisenbahner-Musikverein Salzburg", welche mit Hilfe des "Karl Steinocher-Fonds Salzburg" und unseresEhrenmitgliedes Josef Baumgartner erstellt wurde.

 

Aktueller Text: Peter Grundbichler 

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Weihnachtsmarkt
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